Konzept

Einleitung von Elias Bierdel

Einleitung von Elias Bierdel

Als vor einem Vierteljahrhundert der “Eiserne Vorhang” fiel, der Europa in Ost und West geteilt hatte, jubelten die Menschen über diesen vermeintlichen Sieg von Freiheit und Menschenrechten. Doch die brutalen Grenzanlagen von einst sind nicht verschwunden – sie haben sich vom Inneren des Kontinents lediglich an seine Außengrenzen verlagert.
Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich die Europäische Union mit Grenzsicherungssystemen umgeben, die in ihrer tödlichen Logik und ihrem technischen Aufbau unmittelbar aus der Zeit des “Kalten Krieges” zu stammen scheinen. Was sich entlang dieser Grenzen täglich abspielt, steht nicht nur im offenen Widerspruch zu den vielbeschworenen “Werten” Europas: der Umgang mit Flüchtlingen und MigrantInnen vor den Toren der Wohlstandsfestung EU stellt auch einen Bruch mit geltenden Rechtsnormen und internationalen Verträgen dar.
Als Konsequenz der europäischen Abschottungs- und Abschreckungspolitiken bezahlen Jahr für Jahr tausende Menschen ihren Versuch, in Europa Schutz, Hilfe und Perspektiven für eine bessere Zukunft zu finden, mit dem Leben. Das anonyme Massensterben an den Grenzen wird kaum diskutiert.
Vor zehn Jahren wurde das deutsche Hilfs- und Rettungsschiff Cap Anamur nach der Rettung von 37 afrikanischen Schiffbrüchigen beschlagnahmt, seine Besatzung wegen angeblicher “Schlepperei” in Italien vor Gericht gestellt. Gleichzeitig entstand die EU-Agentur FRONTEX, die den nicht erklärten Krieg gegen Flüchtlinge und MigrantInnen auf europäischer Seite koordiniert.
Seitdem ist nichts besser geworden. Die Mauern werden immer höher und die Zahl der Todesopfer steigt Tag für Tag. Milliarden werden in die Flüchtlings-Abwehr investiert. Gemeinsame EU-Regeln für die Aufnahme von Asylbewerbern gibt es dagegen bis heute nicht.
Auf unserer Reise an die zentralen Orte wollen wir den Aufbau der “Festung Europa” zeigen und das dahinterstehende Denken infrage stellen.